Löschzug 2 Alt – Marl

 

In den Sommertagen erging nun der Ruf des Amtmanns Barkhaus an die Marler Bevölkerung zur Bildung einer Freiwilligen Feuerwehr.
Dieser Aufruf zündete. Fast jeder, der in frage kam, war begeistert für die neue Sache und wollte mitmachen. Hauptgesprächsthema war an allen Ecken die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr. Als nun der Tag der Gründungsversammlung kann, konnte man wirklich sagen:

„Der Amtmann rief und alle kamen.“

Voll besetzt war der Prostsche Saal, jeder war begeistert für die neue Feuerwehr. Fast aus jedem Hause war jemand erschienen, alle wollten dabei sein.
Fünfzig begeisterte Feuerwehrfreunde wurden seinerzeit verpflichtet. Bald stellte sich jedoch heraus, dass für die Ausbildung einer schlagkräftigen Einsatzbereitschaft die Gruppe zu groß war, so dass die Versammlung bereits am 31.08.1908 beschloss, den Höchststand der Wehr auf 40 Mitglieder zu bemessen.Zum Chef der Freiwilligen Feuerwehr wurde Amtsbaumeister Birkenfeld und zum Stellvertreter Anstreichermeister Winter gewählt.Spreu gibt es überall. Weshalb nicht auch bei der neu gegründeten Feuerwehr?
So war bei machen Mitgliedern die anfängliche Begeisterung schnell gewichen. Immer wieder ist deshalb in den Protokollen über die Generalversammlungen zu lesen, dass Mitglieder wegen Nichtteilnahme an den regelmäßigen Übungen ausgeschlossen werden mussten. Dies war jedoch nicht weiter schlimm, da für den Bestand der Wehr genügend Interessenten vorhanden waren, die sich voll der Sache Feuerwehr widmeten. Um den Fortbestand der Freiwilligen Feuerwehr Marl zu sichern, war weiterhin starkes Engagement von Amtsmann Barkhaus notwendig.Er versuchte dem neuen Chef der Feuerwehr die finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen, die dieser benötigte, um eine schlagkräftige Wehr aufzubauen. Die finanziellen Mittel der Gemeinde Marl reichten allein nicht aus, um Gerätschaften zu kaufen, die für die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr benötigt wurden. So schrieb Amtmann Barkhaus zahllose Briefe. Überall versuchte er Beihilfen für die Wehr zu bekommen. Seine Bemühungen hatten Erfolg. Viele überbrachten Spenden, so dass Geld für die notwendigen Anschaffungen bereit stand. Die ersten Uniformen wurden schon im Jahre 1908 durch Eigenhilfe beschafft. Selbsthilfe wurden von jedem Mitglied gefordert, um den Aufbau der Feuerwehr zu ermöglichen.1909 trat die Feuerwehr der Westfälischen Feuerwehr-Unfallkasse bei. Die zu entrichtenden Beiträge wurden von der  Gemeindekasse übernommen, außerdem wurde der Feuerwehr für das laufende Jahr 1909 eine Beihilfe von 60 Mark gewährt. In den Jahren 1909 und 1910 wurden für die Feuerwehr sehr viele Kleingerätschaften, wie Anstelleitern, Nebelhörner, Kerzenlaternen, Feuerpatschen, Einreißhaken und Schlauchmaterial beschafft. Für die Brandbekämpfung stand der Wehr die alte Druckspritze der Firma Höning zur Verfügung. Sie entsprach nicht mehr den Erfordernissen. Wichtig für die Wehr war die Beschaffung einer neuen Saug- und Druckspritze, die es ermöglichte an Wasserstellen direkt Wasser zu entnehmen.Ende des Jahres 1912 wurde eine neue, moderne Spritze der Firma Tidow-Hannover zum Preis von 1775 Mark nach Marl ausgeliefert. Sie musste von zwei Pferden gezogen werden. Zur Gespannhaltung wurden die Marler Pferdehalter Franz König, Herman Schulte und August Tüshaus verpflichtet. Wer bei Alarm als erster mit seinen Pferden am Spritzenhaus zur Stelle war, musste anspannen und die Spritze zu Brandstelle fahren. Dafür bekam er eine entsprechende Vergütung. Um die Ausbildung der Wehrmänner zu verbessern, wurde im Jahre 1913 ein Übungsturm in Buer-Erle erstanden. Dieser Steigerturm wurde auf dem Hof der Dorfschule (heute Overbergschule) errichtet. Diese Aufbauarbeit wurde durch den Krieg unterbrochen, als ein großer Teil der Wehrmänner an der Front weilte. Während der Kriegsjahre von 1914-1918 fielen die Versammlungen und Übungen weitgehend aus. Die Reorganisation der Wehr wurde ein Jahr nach dem Krieg in Angriff. Ausrüstung und Ausbildung wurden von Jahr zu Jahr vollkommener. In kurzer Zeit hatte die Wehr ihre alte Schlagkräftigkeit wieder erreicht. Auch schon damals verstanden die Feuerwehrmänner, neben Kameradschaft und Geselligkeitspflege, Feste zu feiern. Das alljährliche Ende Januar stattfindende Winterfest der Freiwilligen Feuerwehr Alt-Marl blickt auf eine alte Tradition zurück. Schon kurz nach der Gründung wurde es gefeiert und es entwickelte sich immer mehr zum Fest der Marler Bürgerschaft.Viel Freude herrschte in der Marler Feuerwehr, als im Jahre 1927 von der Gemeinde Marl eine motorisierte Brandspritze zur Verfügung gestellt wurde. Ihr Standort erhielt die neue Brandspritze auf dem städtischen Bauhof an der Riegestraße. Dass die Freiwillige Feuerwehr in Marl ein voll motorisiertes Löschfahrzeug erhielt, verdankte sie in erster Linie dem tatkräftigen Eintreten des damaligen Gemeindevorstehers Johann Hütter und seines Vorgängers Guido Heiland; beide hatten immer ein weites Herz und eine offene Hand für die Belange der Feuerwehr.Um die Feuerwehr noch schlagkräftiger zu gestallten, beschaffte sich der Löschzug aus eigenen Mitteln einen gebrauchten Wagen und baute ihn für den Schnelldienst bei Brandeinsätzen um. In dieser Zeit fällt auch die Bildung einer eigenen Feuerwehrkapelle unter der Leitung des Kameraden Wilhelm Bremer. Sie hatte etliche Jahre fleißig für die Feuerwehr gespielt, löste sich aber später wieder auf. Das Jahr 1927 brachte die erste Änderung in der Führung der Wehr. Brandmeister Birkenfeld schied aus, weil er zum Branddirektor der Gesamtwehren von Marl gewählt wurde. Zu seinem Nachfolger als erster Brandmeister wurde Nikolaus Scherer und zu dessen Stellvertreter Georg Genius gewählt. Am 24. September 1933 konnte die Wehr das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ihres Bestehens begehen. Das Jubelfest wurde in einfacher und schlichter Weise gefeiert.In den Jahren 1933-1945 wurde der Status  der Freiwilligen Feuerwehr verschiedentlich durch Gesetze und Verordnungen geändert. Sie büßte zwangsweise den Charakter ihrer Freiwilligkeit ein. So wurde durch das Gesetz über das Feuerlöschwesen vom 23.12.1938 die Freiwillige Feuerwehr technische Hilfspolizeitruppe und der Polizeigerichtsbarkeit unterstellt. Trotz dieser neuen Verhältnisse blieb man doch der Feuerwehr treu nur, von dem Gedanken geleitet, dem Nächsten in Feuersnot zu helfen.
Im Jahre 1938 konnte die neue Feuerwache an der Wilhelm-Gustloff-Straße (heute Garmannstraße) bezogen werden. Sie bot reichlich Unterbringungsmöglichkeiten für Löschfahrzeuge und übrige Gerätschaften. Im Juli des Jahres 1939 wurde die neue Feuerwache offiziell eingeweiht. Verknüpft wurden die Einweihungsfeierlichkeiten mit der Verabschiedung des damaligen Wehrführers Johann Birkenfeld. Gleichzeitig übernahm Oberbrandmeister Karl Fromme die Führung des Löschzuges, da der bisherige Löschzugführer Nikolaus Scherer die Nachfolge von Johann Birkenfeld als Führer der Gesamtwehren des Amtes Marl antrat. Durch Erreichen der Altersgrenze  legte Amtsbaudirektor Birkenfeld auch das Amt des Kreisfeuerwehrführers nieder, das er seit dem 8. Februar 1934 bekleidete. Zum Nachfolger für das Amt des Kreisfeuerwehrführers für den Landkreis Recklinghausen wurde der bei der Amtsverwaltung Marl tätige technische Amtsoberinspektor N. Scherer vom Landrat ernannt. Es handelte sich in beiden Fällen um verdiente Feuerwehrmänner, deren Verdienste um das Feuerlöschwesen im Amtsbezirk Marl und darüber hinaus im Kreis Recklinghausen Lob und Anerkennung von berufener Seite gefunden haben.1942 wurde der Zug von Oberbrandmeister Stoltenberg übernommen, da Karl Fromme zum Amtsbrandmeister aufgerückt war. Nach dem Kriege war es eine wichtige Aufgabe, den Löschzug wieder einsatzbereit zu machen, da die gesamte Stadt vom Feuerschutz entblößt war. In den Tagen des Zusammenbruchs erhielten einige Feuerwehrkameraden den Befehl, das Löschfahrzeug LF 15 in das Gebiet von Rinteln an der Weser in Sicherheit zu bringen. Sie richteten sich aber nicht stur nach diesem Befehl, sondern stellten das Fahrzeug in der Gemeinde Bad Sassendorf in einer Bauernscheune unter, weil sie es hier weit sicherer glaubten als im fernen Weserland. Dank dieser weisen Vorsicht konnte das Fahrzeug nach kurzer Zeit unversehrt nach Marl zurückgeführt werden. Außer dem inzwischen zurückgeführten Löschfahrzeug stand die Feuerwehr vor dem Nichts. Trotz vieler Schwierigkeiten gelang es dem Oberbrandmeister Stoltenberg in hervorragender Weise, dass die Wehr ihre alte Schlagkraft zurückgewann. Der Zug wurde 1948 von Oberbrandmeister Andreas Ratajczak übernommen, der die Führung jedoch 1950 an Oberbrandmeister Hoffrogge abgab, da er zum Amtbrandmeister gewählt wurde. 1956 schied Oberbrandmeister Hoffrogge wegen Erreichens der Altersgrenze als Führer des Löschzuges aus. Sein Nachfolger wurde Oberbrandmeister Werner Heier, der mit Übernahme des Amtsbrandmeisterpostens im Jahre 1965 von Oberbrandmeister Fritz Rupieper abgelöst wurde. Ende Juni des Jahre1958 feierte der Löschzug Alt-Marl sein 50jähriges Bestehen. Kamerad Rupieper führte den Löchzug bis zum Jahre 1978, in dem er zum Stadtbrandmeister gewählt wurde. Seitdem wird der Löschzug von Hauptbrandmeister Ulrich Große-Homann geleitet.Durch den Neubau der Hauptfeuerwache an der Herzlia-Allee zog der Löschzug I (Hauptberufliche Kräfte) aus dem Gerätehaus an der Garmannstraße aus. Der Löschzug II bekam neue Räumlichkeiten in der alten Feuerwache zugewiesen. Die notwendigen Umbaumaßnahmen wurden von Mitgliedern des Löschzuges in Eigenarbeit durchgeführt. Die Fahrzeughallen wurden renoviert, die sanitären Anlagen wurden erneuert und ein gut ausgestatteter Schulungsraum wurde eingerichtet. Auch konnten die Bedürfnisse der Jugendfeuerwehr, die am 11.11.1967 gegründet wurde, beim Umbau berücksichtigt werden.
Durch den Umbau des Gerätehauses wurde die anstehende 75-Jahr-Feier im Jahre 1983 verschoben. Sie wurde mit der Einweihung des umgebauten Gerätehauses im Mai 1984 gefeiert.
Im September 2003 wurde Ulrich Große Homann nach 40 jähriger Dienstzeit in die Alters- und Ehrenabteilung übergeben. Sein bisheriger Vertreter Klaus Spurmann wurde zum Löschzugführer ernannt.

 

Quelle:  Chronik 1887 - 1991 der Feuerwehr Marl